Ja, sind wir denn überhaupt noch in Japan?
In Okinawa, der südlichsten der japanischen Hauptinseln – oder besser Inselgruppe, den das was wir als Okinawa bezeichnen besteht aus über 160 Inseln – fällt das Thermometer selbst im kältesten Monat nicht unter 18 Grad Celsius. Mit seinem subtropischen bis tropischen Klima hat Okinawa ein ganz anderes Flair als das übrige Japan, wo es auch schon mal richtig kalt werden kann. Okinawa liegt auf demselben Breitengrad wie Florida, Kuba oder Hawaii und besitzt daher auch das ausgeglichene Klima der angesprochenen Regionen.
Die Frage, ob man denn auch wirklich in Japan sei, stellte sich lange Jahre nicht nur wegen der geographischen Lage, ist die japanische Hauptstadt Tokio doch von der westlichsten Insel Yonaguni fast 2.000 km entfernt, nach Taiwan sind es nur 111 km. Bis 1879 gehörte Okinawa zum Königreich Ryukyu und hatte mit Japan nur Handelsbeziehungen. Dann war Okinawa nach dem 2. Weltkrieg lange von den USA besetzt und kam erst 1972 endgültig zu Japan zurück. In dieser langen Zeit der Eigenständigkeit und der relativen Isolation der Inseln haben sich einige Eigenheiten entwickelt, die man sonst im Japanurlaub nicht antrifft.
An vielen älteren Gebäuden findet man eine mythologische Sagengestalt in Stein gehauen, die im übrigen Japan nicht vertreten ist. Der „Shisha“ wird als eine Mischung zwischen Hund und Löwe dargestellt und dient oft als Wasserspeier.
In Japan allgemein gibt es sehr viele alte Menschen, doch in Okinawa ist die Dichte an Über-Hundertjährigen so hoch, wie sonst nirgendwo auf der Welt. Dies scheint mit der Ernährung zusammenzuhängen, aber sicherlich auch mit der Lebensweise der Okinawaner und dem ausgeglichenen Klima. Die Ernährung ist hier nicht so sehr auf Fisch ausgerichtet, wie im übrigen Japan. Schweinefleisch spielt eine große Rolle. Auch die Amerikaner, die die Inseln bis 1972 besetzt hielten und heute noch eine große Militärbasis auf der Hauptinsel „Okinawajima“ betreiben, haben ihr Essen mitgebracht, sodass es verschiedene Arten Fastfood überall zu kaufen gibt. An manchen Orten sieht es längst aus wie in US-amerikanischen Städten, wo selbst Graffiti gesprüht sind, undenkbar in anderen Teilen Japans, wo sehr auf Reinlichkeit geachtet wird.
Okinawa ist die beliebteste Ferieninsel der Japaner. 6 Millionen japanische Touristen bereisen jährlich die Inseln, die den Japanern im eigenen Land eine fremde Welt bieten.
Im nächsten Japanurlaub sollte also unbedingt auch Okinawa auf der Reiseroute stehen, denn für Ausländer sind die Inseln ein echter Geheimtipp.